Ein Energiemix ist zur zuverlässigen Energieversorgung alternativlos.

 

Kraftwerk

 

Warum ein kompletter Umstieg auf erneuerbare Energien Grenzen hat

 

Wir leben in einem Land, in dem uns spätestens seit den Nullerjahren vermittelt wird, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien alternativlos sei. Als zentrale Argumente werden dabei immer wieder Klimaschutz, politische Unabhängigkeit sowie günstiger und bezahlbarer Strom genannt.

Jedes dieser Ziele ist für sich genommen nachvollziehbar und grundsätzlich unterstützenswert. Doch stellt sich nach Jahren der Energiewende die Frage, wie sich diese Ziele in der Realität entwickelt haben.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden im Jahr 2025 rund 55 % des Stromverbrauchs in Deutschland durch erneuerbare Energien gedeckt. Gleichzeitig wird häufig betont, dass Strom aus erneuerbaren Quellen besonders günstig sei.

StrompreiseWie passt diese Aussage jedoch mit der Tatsache zusammen, dass Deutschland im Jahr 2025 im Vergleich der G20-Staaten die höchsten privaten Strompreise verzeichnete? Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass erneuerbare Energien in erheblichem Umfang staatlich subventioniert werden. Ohne diese staatliche Förderung dürfte der tatsächliche Strompreis vermutlich noch höher liegen. 

Unabhängig von dieser Diskrepanz zwischen der Aussage „erneuerbarer Strom ist besonders günstig“ und der Realität stellt sich eine weitere grundlegende Frage:

 

Ist eine zuverlässige Energieversorgung aus 100 % erneuerbaren Quellen technisch und physikalisch umsetzbar?

Die politische Forderung bekannter Parteien lautet häufig:

  • keine Kohlekraftwerke
  • keine Gaskraftwerke
  • keine Kernkraftwerke

Kann unter diesen Bedingungen eine dauerhaft gesicherte Stromversorgung in einem hochindustrialisierten Land funktionieren?

Als Antwort wird meist auf Speichertechnologien verwiesen.

So sieht die physikalische Realität aus:

Deutschlands größtes Pumpspeicherkraftwerk verfügt über eine Leistung von rund 1.060 MW und einen Speicherinhalt von etwa 8–9 GWh. Die durchschnittliche Stromlast in Deutschland liegt jedoch bei etwa 53 GW – mit steigender Tendenz durch Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Heizung.

Um allein diese durchschnittliche Last abdecken zu können, wären rechnerisch rund 50 Pumpspeicherkraftwerke in der Größenordnung des größten deutschen Kraftwerks erforderlich. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um die durchschnittliche Stromlast – in Spitzenzeiten wäre auch diese Kapazität nicht ausreichend.

Besonders deutlich wird die Herausforderung bei sogenannten Dunkelflauten, also Phasen mit wenig Wind und geringer Sonneneinstrahlung bei gleichzeitig hoher Nachfrage. Dieser Zustand tritt beispielsweise bei windstillen Abendstunden im Herbst oder Winter auf. Gleichzeitig liegt ein hoher Stromverbrauch der Privathaushalte vor, da die Menschen alle noch wach sind.

Das größte deutsche Pumpspeicherkraftwerk könnte Deutschland in einer solchen Situation theoretisch nur etwa zehn Minuten lang mit Strom versorgen. Dies wäre jedoch nur dann der Fall, wenn das Kraftwerk allen Strom in dieser kurzen Zeit produzieren und einspeisen könnte. Tatsächlich erzeugt das Speicherkraftwerk den Strom bei Volllast über einen Zeitraum von ca. 8 h. Somit benötigen wir ca. 50 dieser Kraftwerke parallel am Netz, um ganz Deutschland oder große Teile davon gleichzeitig mit Strom versorgen zu können. Zu Spitzenzeiten müssten sogar 75 dieser Kraftwerke gleichzeitig unter Volllast am Netz sein.

Für eine einzige Dunkelflaute von ca. 8 h wären somit 50-75 Anlagen dieser Größenordnung erforderlich,

Bei einem Tag wären es schon mindestens 150 Anlagen, da die leer gelaufenen Kraftwerke erst wieder befüllt werden müssten, was ebenfalls ca. 8 h und ähnlich viel Strom wie der zuvor Abgegebene in Anspruch nehmen würde.

Bei  zwei Tagen wären es schon  300 und für eine Woche etwa 1.000 Anlagen.

Tatsächlich verfügt Deutschland derzeit über 6 Pumpspeicherkraftwerke dieser Größenordnung. Für eine signifikante Steigerung dieser Anzahl fehlen die geographischen und umweltrechtlichen Voraussetzungen in Deutschland.

Speicher spielen zweifellos eine wichtige Rolle im Energiesystem: Sie helfen bei der Netzstabilität, gleichen kurzfristige Schwankungen aus und ermöglichen zeitliche Verschiebungen innerhalb eines Tages. Sie können jedoch keine dauerhaft gesicherte Kraftwerksleistung ersetzen.

Damit zeigt sich eine zentrale Herausforderung: Die Forderung nach einer Energieversorgung aus 100 % erneuerbaren Quellen steht in einem Spannungsverhältnis zu einigen der Ziele, die zur Begründung dieser Strategie angeführt werden – insbesondere in Bezug auf Versorgungssicherheit und politische Unabhängigkeit.

Um diese Ziele bestmöglich zu erreichen, ist ein ausgewogener Energiemix aus verschiedenen Energiequellen notwendig. Ein solcher Mix muss sowohl ökonomisch tragfähig als auch technisch stabil und langfristig nachhaltig sein. Angesichts der Komplexität des Themas ist dies vor allem eine Aufgabe für Fachleute – und weniger eine Frage ideologischer Positionen.

Blick nach China

Ein kurzer Blick nach China kann helfen, die globale Dimension des Themas besser einzuordnen.

China wird häufig als Vorbild beim Ausbau erneuerbarer Energien genannt. Tatsächlich baut kaum ein anderes Land Wind- und Solarkapazitäten derzeit schneller aus.

Dieser einzelne Aspekt reicht jedoch nicht aus, um das Gesamtbild zu verstehen.

China verfolgt parallel eine dual angelegte Energiepolitik:

Während erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden, investiert das Land gleichzeitig weiterhin stark in fossile Energiequellen, insbesondere in Kohlekraftwerke. Offensichtlich verfolgt China dabei ebenfalls Ziele wie Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und geopolitische Unabhängigkeit – jedoch mit einer breiteren Mischung verschiedener Energiequellen.

Ein weiterer Effekt dieser Strategie ist, dass China heute weltweit führend in der Produktion und im Export von Technologien für erneuerbare Energien ist.

Aber China baut zugleich weiterhin mehr neue Kohlekraftwerke als der Rest der Welt zusammen und verursacht derzeit rund 30 % der weltweiten CO₂-Emissionen.

Funfact zum Schluss

Eine häufig genannte Rechnung verdeutlicht die Größenordnungen:

Selbst wenn jedes Haus in Deutschland mit einer Wärmepumpe ausgestattet wäre, würde die dadurch eingesparte CO₂-Menge über einen Zeitraum von 30 Jahren ungefähr den Emissionen entsprechen, die China in etwa 1 Monat verursacht.


 

Autoren: Marcel Kanz, Axel Pfeffer / 16-03-2026